Coverbild Angelika Milster LR DaT Herbst 2013
Donnerstag, 10. September 2015

Eine Diva mit Herz - nicht nur für Hunde

Angelika Milster

Angelika Milster ist eine Diva. Im besten Sinn: hochprofessionell auf der Bühne, äußerst charmant und liebenswert im Leben. Aufgewachsen ist die gebürtige Neustrelitzerin in Hamburg – zusammen mit Schäferhund Alex. Seither hat sie ihr Herz nicht nur an ihren Mann André Bauer verloren, sondern auch an jeden Hund, der ihr bisher begegnete.

DOGandTRAVEL traf Angelika Milster, die über dreißig Jahre in Berlin lebte, im Restaurant „Sissi“ in Berlin-Schöneberg.

Foto: © Anne Huneck; Interview: Thomas Purz

Liebe Angelika Milster, Ihre Liebe zu Hunden ist weithin bekannt. Wie entstand dieses innige Verhältnis zu Vierbeinern?

Doch die beiden waren unzertrennlich. Eugens Bruder wurde krank, sobald dieser nicht mehr in seiner Nähe war. Also einigten wir uns darauf, dass Eugen fortan wieder zusammen mit seinem Bruder Bernie leben sollte. Als Eugens Pflegetante bezahlte ich natürlich Fressen, Steuern und alles was dazu gehörte – und besuchte „meinen“ Eugen so oft es nur ging.

Anfang der neunziger Jahre hatte sich mein Sohn einen Staffordshire Bullterrier angeschafft. Als er zur Bundeswehr musste, zog die Staff-Dame, Francis, bei mir ein. Sie war wunderbar, mein kleines Hausschwein. Ein paar Mal zahlte ich Bußgeld, das allerdings gerne, weil ich dem Tier zuliebe auf den Maulkorb verzichtete, wenn wir morgens in aller Frühe durch den leeren Park in Schöneberg spazierten.

Wie halten Sie es mit der Erziehung und der Leine?

Alle meine Hunde laufen immer ohne Leine, auch in der Stadt. Auch laute Kommandos sind nicht meine Art von Erziehung. Ich spreche stets leise mit ihnen, flüstere gar. Sie hören dann viel besser zu, sind viel achtsamer. Ich arbeite viel mit Gesten und komme deshalb mit nur vier Kommandos aus.

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Seit gut einem Jahr lebt Chico, ein Boxer-Ridgeback-Mix bei Ihnen. Wie kam es dazu?

Nach dem Umzug von Berlin an den Vierwaldstättersee wurde Dackeldame Erna mit ihren weißen Augenbrauen, schwarz-roten Pfoten und rotem Bart, die Augen wie Bern-stein, ein festes Familienmitglied. Im vergangenen Jahr ist meine Erna, sie war gerade fünf Jahre alt, nach einer Kastrations-OP nicht mehr aus der Narkose erwacht. Ich empfand Weltschmerz, war sie doch ein Traum von Hund.

Über Dieter Thomas Heck, der sich seit Jahren intensiv um Straßenhunde kümmert, aktuell wohnen bei ihm sechs ehemalige Streuner, trat dann Chico in mein Leben.

Dieter sammelte also auch Chico von den Straßen Spaniens und päppelte ihn ein halbes Jahr lang auf. Als er im letzten Frühjahr in der Zeitung las, dass ich so sehr um meine Erna trauerte, rief er mich an. Eigentlich wollte ich unbedingt wieder einen Dackel und keinen großen Hund. „Schau ihn dir doch erst einmal an“, sagte Heck und schickte mir ein Foto.

Chico konnte bei ihm nicht im Haus bleiben, weil er mit den anderen Heck‘schen Hunden nicht besonders gut klar-kam. Allerdings hatte Dieter für

Chico einen Trainer engagiert, der ihn innerhalb weniger Wochen zu einem mustergültigen Hund erzog. Mein Mann reiste also zum Heckschen Anwesen und schaute sich Chico drei Tage sehr genau an, ging immer wieder mit ihm spazieren. Nach drei Tagen wurde die Bindung zwischen André, meinem Mann, und Chico so groß, dass wir beschlossen, den damals etwa Zweijährigen zu uns zu holen. Es war ein leichter Einstieg: Chico

Wie verbringen Sie Ihren Urlaub?

Es kann abends noch so spät werden, auch im Urlaub stehe ich morgens um halb sieben auf. Ich bin absoluter Frühmensch, liebe die Unschuld und Frische des Morgens. Die Lichtstimmung im Dorf ist morgens einfach herrlich. Und so kommt Chico in der Frühe an mein Bett, legt seine Pfote auf die Bettkante und springt zum Wach-werden ab und an ans Fußende.

Es gehört für mich einfach zum Leben, den Tag möglichst ganz auszukosten, ihn ging von Anfang an ohne Leine mit einem langen Spaziergang mit Chico durchs Dorf, wich nie von meiner Seite und hörte von Beginn an auf alle Kommandos, die die Hecks ihm schon beigebracht hatten.

Wer erzieht und betreut Chico bei Ihnen zu Hause?

Chico wird von uns beiden, von mir und meinem Mann gleichermaßen betreut und weiter erzogen. Chico kommt mit anderen Hunden und auch mit Kindern hervorragend klar. Meine kleine Enkeltochter spielt sehr gern mit ihm. Nur vor großen Stöcken fürchtet er sich. Wir vermuten, dass er früher als Straßenstreuner mit Besen oder ähnlichem geschlagen wurde.

Begleitet Chico Sie, wenn Sie unterwegs sind?

Aber ja! Chico ist immer dabei, wenn ich unterwegs bin. Stets hat er „seine“ Decke dabei und fühlt sich dann auch in Hotelzimmern nicht unwohl. Die meisten Hotels haben nichts dagegen, wenn ich mit meinem Chico einchecke. Viele Hotelangestellte kennen ihn inzwischen und begrüßen ihn entsprechend herzlich. Er begleitet mich auf Schritt und Tritt, kann dennoch sehr gut allein bleiben. Bei Auftritten wartet er geduldig in der Garderobe.

Viel Zeit bleibt nicht zum Relaxen. Schon im September stehen weitere Auftritte an.

Ja, ich spiele zum einen Theater. Für das Stück „Ewig jung“ im Berliner Renaissance-Theater, das ab 30. September weiter läuft, sind nur noch wenige Karten zu bekommen. Das Stück werden wir auch in 2014 weiter spielen. Hinzu kommen die Kirchenkonzerte, bei denen ich neben klassischen Stücken auch Musicalsongs präsentiere. „Sag mir wo die Blumen sind“ mit Orgelbegleitung ist einfach hinreißend. Die Stücke der Konzerte wählt mein Mann aus, wobei ich die großen italienischen Tenorarien ganz besonders mag.

Ihr aktuelles Album, das neunzehnte inzwischen, ist Ihr bisher persönlichstes Werk…

Richtig, es sind alles eigene Titel. Alle Kompositionen stammen von Tomislav Mustac und meinem Mann, André Bauer, die Texte von Tobias Reitz, einem jungen, sehr talentierten Autor. Jedes einzelne Lied hat etwas mit meinem Leben zu tun. In „Reden“ nehme ich die Journalisten ein wenig aufs Korn. „Du hast mir Glück gebracht“ widme ich meinem Lebensfreund Hans, von dem ich mich nicht verabschieden konnte, weil ich gearbeitet habe und er auf Sylt lebte und dort starb. Eine heitere schnelle Tango-Nummer ist „Prinzessin der Nacht“, die ich gerade auf der Kölner Aids-Gala vor lauter begeisterten Jungs gesungen habe.

Auf dem Album singen Sie „Wo bist du geblieben, Zeit?“ Haben Sie das Gefühl im Leben etwas verpasst zu haben?

Wenn man sehr viel arbeitet und beruflich stark eingespannt ist, steht für andere, möglicherweise wichtigere Dinge nur wenig Zeit zur Verfügung. Ich hätte gern mehr Zeit für Freunde oder auch für Notsituationen. Ich wäre gern an der Seite meines Vaters oder meines Freundes Hans gewesen, als sie starben oder hätte gern mehr Zeit für meine Mutter, die 82 ist, in Berlin lebt und fit wie ein Turnschuh ist.

Ich bin gern von Kindern umgeben. Kürzlich hatte ich meine kleine Enkeltochter auf dem Schoß und las ihr aus dem Bilderbuch vor. Die Sonne schien durch die Fenster, sie tippte mit ihrem Finger in mein Gesicht neben meine Augen und meinte: „Du hast ja Sonnenstrahlen im Gesicht“. Deshalb sage ich stets zum Leben und zur Zeit: Falten können auch Sonnenstrahlen sein!


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