DOGandTRAVEL Wochen-News
Hundeführerschein in Bremen, Zeckenalarm in zwei neuen Regionen und eine Studie, die jeden Welpenkauf in einem anderen Licht erscheinen lässt
Liebe Leserinnen und Leser, in einer Woche ist Pfingsten, die Pfingstferien stehen vor der Tür, und die Reisekoffer in vielen Haushalten sind vermutlich schon halb gepackt. Für unseren Wochenrückblick haben wir Themen ausgesucht, die für die kommenden Tage konkret nützlich sind – und ein paar, die einfach zum Lesen bei der zweiten Tasse Kaffee am Samstag einladen.
Wir berichten über die wohl wichtigste hundepolitische Entscheidung dieses Sommers: Bremen führt zum 1. Juli einen verpflichtenden Hundeführerschein für alle neuen Halter ein. Wir schauen auf die Zeckensaison, die in diesem Jahr deutlich früher und mit zwei neuen Risikogebieten begonnen hat. Wir nehmen uns Zeit für eine bemerkenswerte Studie aus Harvard, die zeigt, wie tief schlechte Erfahrungen in den ersten Lebensmonaten einen Hund prägen – und warum manche Rassen davon stärker betroffen sind als andere. Wir erinnern an den „Tag des Hundes" am 7. Juni mit bundesweit über 380 Veranstaltungen. Und wir bereiten Sie auf das Pfingstwochenende vor, das nach Einschätzung des ADAC zu den staureichsten Reisetagen des Jahres gehören wird.
Zum Abschluss verabschieden wir Sie mit einer Geschichte ins Wochenende, die im Februar bei Olympia für viel Heiterkeit gesorgt hat – und die zeigt, dass selbst die bestorganisierten Großveranstaltungen einer entschlossenen Hundenase nichts entgegenzusetzen haben.
Viel Vergnügen beim Lesen.
Bremen macht ernst: Ab 1. Juli gilt ein verpflichtender Hundeführerschein für alle neuen Halter
Wer in Bremen vom 1. Juli 2026 an einen Hund aufnehmen möchte – ob Welpe vom Züchter, älteres Tier aus dem Tierheim oder Vermittlungshund aus dem Auslandstierschutz –, muss vorher seine Sachkunde nachweisen. Bremen ist damit das erste Bundesland mit einem flächendeckenden, von der Rasse unabhängigen Hundeführerschein für Neuhalter. Ohne den Nachweis darf das Tier nicht gehalten werden.
Das neue Bremische Hundegesetz sieht eine Prüfung in zwei Schritten vor. Zunächst muss vor der Anschaffung ein theoretischer Kurs von rund vier Stunden besucht und mit einer Prüfung abgeschlossen werden. Geprüft werden unter anderem rechtliche Pflichten, artgerechte Haltung, Grundlagen des Hundeverhaltens, Erste Hilfe und der Umgang mit Konflikten im öffentlichen Raum. Anschließend hat der Halter zwölf Monate Zeit, gemeinsam mit dem Hund auch den praktischen Teil zu bestehen. Der Hund muss dafür mindestens sechs Monate alt sein. Wer eine einschlägige berufliche Qualifikation mitbringt – etwa als Tierarzt oder als zertifizierter Hundetrainer – oder bereits langjährige Erfahrung nachweisen kann, kann von Teilen der Prüfung befreit werden. Hinzu kommen folgende Pflichten: eine Kennzeichnungspflicht per Mikrochip, die Registrierung in einem zentralen Haustierregister und der Abschluss einer Hundehaftpflichtversicherung hinzu – und zwar für jeden Hund, nicht mehr nur für die sogenannten Listenhunde.
Für Halter sogenannter „gefährlicher Hunde" gilt eine Übergangsfrist von zwei Jahren. Wer bereits einen Hund hat, ist von der Neuregelung nicht betroffen, solange er bei diesem Hund bleibt. Erst wenn ein weiterer Hund einzieht, wird die Sachkunde fällig.
Hintergrund der Reform sind zwei Entwicklungen. Zum einen sind die deutschen Tierheime nach den Corona-Jahren überfüllt, der Deutsche Tierschutzbund spricht seit Monaten von einer dramatischen Lage. Viele dieser Tiere stammen aus Spontankäufen, die im Lockdown getätigt und mit der Rückkehr ins Büro wieder bereut wurden. Zum anderen steigt in mehreren Bundesländern die Zahl der gemeldeten Beißvorfälle, und der politische Druck nach einheitlichen Standards bei der Halterqualifikation nimmt zu. Niedersachsen arbeitet bereits an einer eigenen Reform mit ähnlichen Bausteinen, in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen werden vergleichbare Vorhaben diskutiert. Berlin kennt seit längerem eine abgespeckte Sachkundepflicht.
Die Reaktionen sind erwartbar geteilt. Erfahrene Hundehalter ärgern sich, weil sie sich pauschal unter Verdacht gestellt sehen. Tierschutzvereine und seriöse Züchter begrüßen das Gesetz dagegen überwiegend – aus ihrer Sicht ist es endlich schwieriger, einen Hund unüberlegt zu kaufen. Ein praktischer Hinweis für unsere Bremer Leserinnen und Leser: Wer im Sommer einen Hund aufnehmen möchte, sollte den Theoriekurs jetzt buchen. Die Anbieter rechnen ab Juni mit deutlich höherer Nachfrage. Die Kosten liegen nach derzeitigem Stand zwischen 60 und 120 Euro – meistens deutlich weniger, als später eine Hundeschule für einen schwer erziehbaren Junghund kosten würde.
Zwei neue Risikogebiete, eine eingewanderte Zeckenart: Worauf Hundehalter in dieser Saison achten müssen
Die Zeckensaison hat in diesem Jahr früh und mit Nachdruck begonnen. In Bayern wurden erste aktive Zecken bereits im Februar gemeldet, in der Folge mehrten sich die Meldungen aus dem gesamten Bundesgebiet. Das Robert-Koch-Institut hat für 2026 zwei neue FSME-Risikogebiete ausgewiesen: den Landkreis Nordsachsen sowie den Stadtkreis Halle (Saale). Wie die „Pharmazeutische Zeitung" in einer ausführlichen Übersicht festhält, sind Zecken inzwischen in allen Teilen Deutschlands verbreitet. Die alte Vorstellung, das Risiko beschränke sich auf den Süden, ist nicht mehr haltbar.
Für Hundehalter ist die Lage aus mehreren Gründen ernst. Hunde sind durch ihre Lebensweise besonders gefährdet: Sie streifen durch hohes Gras, schnüffeln im Unterholz und bringen Zecken regelmäßig mit nach Hause. Hinzu kommt, dass Zecken bei Hunden eine ganze Reihe ernster Krankheiten übertragen können. Der allgegenwärtige Gemeine Holzbock kann Borreliose und Anaplasmose übertragen, in Risikogebieten auch FSME (bei Hunden meist symptomlos, in seltenen Fällen auchtödlich). Die Auwaldzecke und die Braune Hundezecke gelten als Überträger der gefährlichen Babesiose, im Volksmund auch Hundemalaria genannt. Die Braune Hundezecke war früher vor allem im Mittelmeerraum verbreitet, mittlerweile ist sie auch in Deutschland heimisch.
Neu beobachtet wird die Zeckenart Ixodes inopinatus, ursprünglich aus dem Mittelmeerraum, die in den vergangenen Jahren immer häufiger nördlich der Alpen nachgewiesen wurde. Auch die tropische Hyalomma-Zecke, die mit Zugvögeln einreist und unter anderem das Krim-Kongo-Fieber übertragen kann, taucht in zunehmender Zahl auf. Wer mit dem Hund in den Süden Europas reist, sollte zusätzlich an die Leishmaniose denken – sie wird nicht von Zecken, sondern von Sandmücken übertragen, gehört aber zum selben Themenkomplex und lässt sich durch geeignete Repellentien gut eindämmen. Ein Gespräch mit dem Tierarzt vor der Reise lohnt sich in diesem Jahr besonders.
Was heißt das für den Alltag? Erstens: Den Zeckenschutz für den Hund jetzt überprüfen. Spot-on-Präparate, Wirkstoff-Halsbänder oder Kautabletten – Ihr Tierarzt-Team kennt die örtliche Risikolage und kann das passende Mittel empfehlen. Zweitens: Den Hund nach jedem Spaziergang absuchen. Eine Zeckenzange oder Zeckenkarte sollte in jedem Haushalt mit Hund griffbereit liegen. Drittens: Bei typischen Anzeichen einer Borreliose – Mattigkeit, Fieber, geschwollene Gelenke, plötzliches Lahmen ohne erkennbaren Anlass – nicht abwarten, sondern den Tierarzt aufsuchen. Und viertens: Auch der Mensch sollte an sich denken. Die Ständige Impfkommission empfiehlt die FSME-Impfung für alle, die sich häufig in Risikogebieten im Freien aufhalten – aktive Hundehalter gehören regelmäßig dazu.
Eine Harvard-Studie zeigt, wie tief frühe Belastungen prägen – und warum manche Rassen anfälliger sind als andere
Wie stark prägen die ersten Lebensmonate einen Hund? Können erwachsene Tiere die Spuren einer schlechten Welpenzeit hinter sich lassen, oder bleibt diese Erfahrung ein Leben lang spürbar? Eine umfangreiche Studie der Harvard University, erschienen im Fachjournal Scientific Reports, liefert die bislang gründlichsten Antworten auf diese Frage. Das Team um Julia Espinosa von der Harvard University hat Daten von 4.497 Hunden aus 211 Rassen ausgewertet – eine Stichprobe, wie sie in der Verhaltensforschung selten zustande kommt.
Methodisch arbeitete die Gruppe mit dem C-BARQ-Fragebogen, einem in der Verhaltensforschung gut etablierten Instrument, das misst, wie Hunde in typischen Alltagssituationen reagieren – auf ein lautes Geräusch, auf einen Fremden an der Haustür, auf eine plötzliche Bewegung, auf einen unbekannten Hund. Die Halterinnen und Halter füllten den Fragebogen für ihre erwachsenen Hunde aus und gaben zusätzlich an, was den Tieren in den ersten sechs Lebensmonaten widerfahren war: eine zu frühe Trennung vom Muttertier, Misshandlung, Vernachlässigung, schwere Verletzungen oder Krankheiten, eine Aufzucht in einer sogenannten Puppy Mill, zu deutsch einer "Welpenmühle".
Etwa ein Drittel der untersuchten Hunde hatte laut Angaben der Halter in den ersten sechs Lebensmonaten mindestens eine belastende Erfahrung gemacht. Bei diesen Tieren waren die Werte für Aggression und Ängstlichkeit im Erwachsenenalter im Durchschnitt deutlich höher als bei Hunden ohne solche Vorgeschichte. Typische Auffälligkeiten: Schnappen oder Beißen bei plötzlichen Berührungen, Verstecken oder Zurückweichen bei lauten Geräuschen, übersteigerte Wachsamkeit, schnelles Eskalieren bei Begegnungen mit fremden Hunden. Bemerkenswert: Der Effekt war auch dann noch nachweisbar, nachdem die Forscherinnen andere bekannte Einflussfaktoren herausgerechnet hatten – etwa Alter, Geschlecht, Kastrationsstatus oder die aktuellen Lebensumstände. Eine traumatische Welpenzeit wirkt also unabhängig davon nach, in welche Hände der Hund später kommt.
Besonders aufschlussreich ist der Befund, dass die Rasse eine erhebliche Rolle spielt. Nicht alle Hunde reagieren gleich empfindlich auf eine schwierige frühe Zeit. Bei manchen Rassen, etwa dem in den USA verbreiteten American Eskimo Dog, einer spitzartigen Rasse, waren die Spätfolgen besonders ausgeprägt. Andere Rassen – die Studie nennt als Beispiel den Labrador Retriever – zeigten sich deutlich widerstandsfähiger und konnten frühe Belastungen besser ausgleichen. Espinosa und Kolleginnen erklären das so: Die genetische Veranlagung einer Rasse wirkt nicht nur direkt auf das Verhalten, sondern auch auf die Anfälligkeit für äußere Einflüsse. Manche Rassen sind robuster gegen frühen Stress, andere reagieren empfindlicher.
Was bedeutet das für uns alle, die mit Hunden leben? Zunächst eine Bestätigung dessen, was viele Hundetrainer und Verhaltenstherapeutinnen seit Jahren betonen: Die ersten sechs Monate sind das Fundament. Wer einen Welpen erwerben möchte, sollte sich die Aufzuchtbedingungen ansehen können – die Mutterhündin mit den Welpen, eine saubere und ruhige Umgebung, Kontakt zu alltäglichen Geräuschen, verschiedenen Untergründen, anderen Menschen und Tieren. Das sind Voraussetzungen für einen ausgeglichenen erwachsenen Hund. Aus dem Welpenhandel aus dem Kofferraum, der den deutschen Tierschützern seit Jahren Sorgen bereitet und dessen aktueller Großprozess vor zwei Wochen am Landgericht Halle begonnen hat, kommen viele dieser späteren Problemfälle. Die Espinosa-Studie zeigt mit harten Zahlen, warum dieser Markt mehr als ein Tierschutzärgernis ist: Er produziert systematisch Hunde, die ihr Leben lang mit den Folgen kämpfen.
Zugleich gibt die Studie Anlass zur Hoffnung. Eine schwierige Welpenzeit ist nicht unbedingt ein Urteil fürs ganze Leben. Zwar bleibt die Statistik unmissverständlich – die Werte für Angst und Aggression sind im Schnitt erhöht. Aber viele dieser Hunde können mit geduldigem Training, einer klaren Tagesstruktur, positiver Verstärkung und einem ruhigen, vorhersehbaren Alltag ein ausgeglichenes Leben führen. Es braucht, wie Espinosa selbst formuliert, deutlich mehr Geduld und realistischere Erwartungen als bei einem Hund, der die ersten Monate behütet erleben durfte. Wer einen Tierheimhund mit belasteter Vorgeschichte adoptiert hat, sollte das im Hinterkopf behalten: Was schwer aussieht, hat oft tiefe Wurzeln – und ist meistens trotzdem zu bewältigen, wenn man die Geschichte des Hundes annimmt.
Die vollständige Studie ist unter dem Titel „Influence of early life adversity and breed on aggression and fear in dogs" im September 2025 in Scientific Reports (Band 15, Artikel 32590) erschienen und frei zugänglich. Die DOI lautet 10.1038/s41598-025-18226-0.
Vor dem Pfingstwochenende: So kommen Sie mit Hund entspannt durch den Reiseverkehr
In einer Woche ist es so weit: Am Freitag, dem 22. Mai, beginnt das lange Pfingstwochenende. Pfingstsonntag fällt 2026 auf den 24. Mai, Pfingstmontag auf den 25. Mai. In Bayern und Baden-Württemberg starten die zweiwöchigen Pfingstferien, in Sachsen-Anhalt sind es eine Woche. In Berlin, Brandenburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen ist zusätzlich der Dienstag, 26. Mai, schulfrei. Das ergibt nach Einschätzung des ADAC in seiner aktuellen Pfingst-Stauprognose eines der vollsten Reisewochenenden des Jahres, mit dem voraussichtlichen Spitzenwert am Freitagnachmittag. Besonders groß ist die Staugefahr im Süden Deutschlands sowie auf den klassischen Routen Richtung Nord- und Ostsee, in die Alpen und die Mittelgebirge.
Konkret nennt der ADAC unter anderem die A1 (Köln–Hamburg), die A2 (Dortmund–Berlin), die A3 (Köln–Frankfurt sowie Linz–Passau), die A5 (Karlsruhe–Basel und Kassel–Frankfurt), die A7 (Hamburg–Hannover–Kassel sowie Würzburg–Füssen), die A8 (Karlsruhe–München), die A9 (Berlin–München), die A93 (Rosenheim–Kufstein) und die A95 Richtung Garmisch als besonders staugefährdet. In Österreich sind die Tauernautobahn (A10) und die Brennerroute (A22) wie üblich kritisch; auf der A22 ist im Bereich der Luegbrücke zusätzlich eine Baustelle aktiv. Auch die Schweizer Gotthardroute (A2) gilt als problematisch. Am Pfingstsonntag und -montag gilt in Deutschland von 0 bis 22 Uhr ein Lkw-Fahrverbot, das ein wenig entlastet – flexibel zu planen, bleibt aber die bessere Strategie.
Für unsere vierbeinigen Mitreisenden bedeutet das vor allem eines: viele Stunden im Auto bei steigenden Temperaturen. Die wichtigste Regel zuerst, denn sie ist im Sommer eine der häufigsten Todesursachen bei Hunden: Lassen Sie Ihren Hund auf gar keinen Fall im geparkten Auto zurück, auch nicht für „nur fünf Minuten". Die Tierärztliche Hochschule Hannover weist in ihrer jährlichen Saisonwarnung darauf hin, dass der Innenraum bereits bei 20 Grad Außentemperatur innerhalb einer Stunde 46 Grad erreichen kann – bei 30 Grad reicht eine halbe Stunde. Ein gekipptes Fenster senkt die Temperatur um ein bis zwei Grad und ist damit kein wirksamer Schutz. Wer an einer Raststätte etwas essen oder trinken möchte, nimmt den Hund mit nach draußen und ein kleines Picknick zum mitgebrachten Wassernapf – oder bleibt im klimatisierten Auto sitzen, während jemand anders kurz hineingeht.
Ein paar weitere Hinweise für die Fahrt: Brechen Sie früh am Morgen oder erst am Abend auf. Die kühlen Tageszeiten sind für Hunde deutlich angenehmer, und die Autobahnen sind dann meist leerer. Legen Sie alle zwei Stunden eine Pause auf einem schattigen Parkplatz ein, bieten Sie Wasser an und gehen Sie ein paar Schritte über die Wiese. Vorsicht beim Asphalt: An heißen Tagen kann er sich so stark aufheizen, dass sich Hunde in Sekunden die Pfoten verbrennen. Der Hund gehört gesichert ins Auto. Crashtests des ADAC zeigen seit Jahren, dass stabile Transportboxen, quer zur Fahrtrichtung im Kofferraum verstaut, den besten Schutz bei einem Aufprall bieten. Denken Sie an den EU-Heimtierausweis, die gültige Tollwutimpfung und – falls Sie in den Mittelmeerraum reisen – an den Sandmückenschutz. Und vielleicht das Wichtigste: Wer im Stau steht und einen Hund auf der Rückbank hat, sollte gelassen bleiben. Hunde spüren die Anspannung im Wagen genau und reagieren darauf. Ein leises Radio, ein vertrautes Spielzeug oder eine bekannte Decke unter dem Hund helfen mehr als jeder Kommentar zur Verkehrslage.
Wie ein Wolfshund namens Nazgul bei Olympia in den Teamsprint sprang
Zum Abschluss eine Geschichte, an die sich viele Wintersport-Fans noch lange erinnern werden. Sie hat sich bereits im Februar zugetragen, ist also nicht mehr ganz frisch, ging im Strudel der Olympischen Spiele aber vermutlich an einigen Lesern vorbei. Wir spulen zurück zu den Olympischen Winterspielen in Mailand und Cortina, Mitte Februar 2026, Skilanglaufstadion in Tesero. Die Qualifikation zum Teamsprint der Frauen läuft, eine griechische und eine kroatische Athletin sind auf den letzten Metern, die TV-Kameras fahren auf ihrer Schiene über die Loipe – und plötzlich taucht ein dunkler Wolfshund auf der Strecke auf, schließt zu den Läuferinnen auf und überquert ungerührt hinter ihnen die Ziellinie. Inklusive ausgelöster Lichtschranke und Zielfoto.
Wie Eurosport später in einem Interview mit FIS-Streckenchef Michel Rainer aufschrieb, war der ungebetene Mitläufer ein Wolfshund namens Nazgul. Der Hund war bei seinem Besitzer untergebracht, der ihn während der Spiele in der Nähe des Stadions versorgte. „Er ist aus der Wohnung meines Bruders ausgebüxt. Er hat gleich zwei Türen selbst geöffnet und war plötzlich weg", erzählte später Elisa Varesco, die Schwester des Besitzers. Nazgul war also nicht nur entkommen, sondern hatte sich auch noch zielstrebig dorthin aufgemacht, wo gerade am meisten los war.
Streckenchef Rainer schilderte den Moment ebenso ruhig, wie der Hund offenbar durchs Stadion gelaufen war: „Ich war oben in der Jury und als ich den Hund auf dem Bildschirm gesehen habe, bin ich sofort in den Zielbereich geeilt." Dort beschnupperte Nazgul noch ein paar Läuferinnen – „er war süß und nicht aggressiv, also war alles in Ordnung", sagte später die Griechin Konstantina Charalampidou, eine der unfreiwilligen Mitstarterinnen. Rainer konnte den Hund einfangen, allerdings nur kurz. Im Nachbarort entwischte Nazgul erneut und musste dort ein zweites Mal eingesammelt werden, bevor er sicher zu seiner Familie konnte.
Auf die naheliegende Frage, wer denn nun einen Sprint gewinnen würde – Olympia-Dominator Johannes Hösflot Kläbo oder doch Nazgul –, antwortete Rainer trocken: „Klaebo, klar. Der gewinnt schließlich alles." Er denke aber darüber nach, dem Hund beim nächsten Mal eine Startnummer zu geben und ihm vielleicht auch eine Medaille zu verleihen. „Aber nur Bronze."
Was bleibt nach einem solchen Auftritt? Vor allem die Einsicht, dass Hunde sich um menschliche Planungen nicht scheren – und genau das ihren Charme ausmacht. Konstantina Charalampidou gab nach dem Lauf das allererste Olympia-Interview ihrer Karriere. „Ich bin jetzt berühmt wegen eines Hundes, der über die Ziellinie gelaufen ist", sagte sie und lachte. Und Nazgul liegt vermutlich gerade irgendwo in seinem Körbchen, ahnt nichts von Lichtschranken und Zielfotos und träumt von der nächsten offenen Tür.
In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein schönes Wochenende. Genießen Sie die Tage vor Pfingsten, halten Sie Ihren Hund aus der prallen Sonne, und wenn er Ihnen doch mal entwischt, dann hoffen wir, er macht es mit ähnlich viel Stil wie Nazgul. Bis nächste Woche – Ihre Redaktion von dog-and-travel.com.